Studie Zwischenauswertung

Studie Zwischenauswertung

Zusammenfassung

Die Zwischenauswertung der PMCF-Studie „THE BLISS TRIAL“ zum SchnarchFrei System erfolgte mit den validierten Daten bis einschließlich zum 05.01.2026. Es lagen Informationen von 76 Teilnehmern vor, die in einem Prüfzentrum erhoben wurden. Bis zum 05.01.2026 hatten 76 (40 % der Gesamtpopulation) rekrutierte Patient:innen alle Visits abgeschlossen. Aus einer Ausgangspopulation wurden 5 vor der Randomisierung ausgeschlossen, darunter aus persönlichen Gründen oder aufgrund technischer Probleme. Übrig blieben 71 Patient:innen, die randomisiert in zwei Gruppen eingeteilt wurden (ITT-Population): Intervention (n = 32) und Kontrolle (n = 39). In der Interventionsgruppe schieden 3 Teilnehmer aufgrund ihres Studienabbruchs aus. Schließlich wurden 29 Teilnehmer in der Interventionsgruppe und 39 in der Kontrollgruppe gemäß Protokoll als PP-Population betrachtet.  

All diese Patient:innen sind Teil der Sicherheitspopulation (SAF). Diese umfasst somit 76 Patient:innen. Für die Zwischenauswertung der primären und sekundären Endpunkte wurde die Intent-to-Treat (ITT) Strategie verfolgt, d. h. nur solche Patient:innen der Sicherheitspopulation (die alle Einschlusskriterien und keines der Ausschlusskriterien erfüllen), die an der Visite 1 teilgenommen haben und in einen der Behandlungsarme randomisiert wurden, wurden für die statistische Auswertung berücksichtigt.  

Das PP-Kollektiv umfasst alle Patient:innen, die nach dem Protokoll behandelt wurden und keine wesentlichen Protokollverstöße begangen haben (n = 71). Für diese Patient:innen liegen für den primären Endpunkt für Visite 1, Visite 2 und Visite 3 Daten vor. Als Sensitivitätsanalyse erfolgt die Analyse des primären Endpunktes ebenfalls am PP-Kollektiv. 

Die Ergebnisse dieser Zwischenauswertung dienen der vorläufigen Aufnahme in das DiGA-Verzeichnis. Es erfolgte basierend auf den Ergebnissen dieser Zwischenauswertung keine Änderung des Studiendesigns. Im Rahmen der Zwischenauswertung erfolgte allerdings eine Überprüfung der initial errechneten Fallzahl. Die Überprüfung der Fallzahl basiert auf dem Standardverfahren zur Durchführung von Zwischenanalysen nach Pocock. Es wurde also geprüft, ob die notwendigen Bedingungen bereits erfüllt waren und ob die Zwischenergebnisse ausreichend robust und signifikant sind. Um das Risiko eines Fehlers vom Typ I zu kontrollieren, wurde außerdem das Signifikanzniveau nach der Bayes’schen Methode angepasst. Basierend auf dem ermittelten Effekt und der Signifikanz erfolgt das weitere Studienvorgehen nun gemäß dem statistischen Analyseplan (Referenz: R2) 

Die Beschreibung des Auswertungskollektivs sowie die Bewertung der Effektivität sind Kapitel 4 zu entnehmen. Kapitel 5 umfasst eine detaillierte Betrachtung aller berichteten unerwünschten Ereignisse. 

Zusammenfassend ergibt sich auf Grundlage der Zwischenauswertung unter Berücksichtigung der beobachteten Effektstärke, der aktualisierten Power-Berechnung sowie der im SAP vorgesehenen Subgruppenanalysen eine vertretbare Reduktion der Stichprobengröße um 10 % (entsprechend 19 Teilnehmenden). Entsprechend wird die Studie mit einer angepassten Gesamtstichprobengröße von 172 Patient:innen fortgeführt. 

Studienhintergrund

Studienziel

Das Ziel der PMCF-Studie ist es weiterhin, klinische Daten zum SchnarchFrei System im Rahmen der klinischen Nachbeobachtung nach Inverkehrbringen zu generieren und somit Daten zu positiven Auswirkungen einer digitalen Anwendung auf die Tagesschläfrigkeit und den Gesundheitszustand zu liefern.
Es soll der positive Versorgungseffekt (pVE) im Rahmen der Studie anhand des Vergleichs bei Nutzung des Produktes versus keine Anwendung des Produktes nachgewiesen werden.

Zur Erfassung ​des​ pVE wurden folgende Endpunkte definiert:

  • Verringerung der Tagesschläfrigkeit durch Abnahme des ESS-Scores bei Anwendung des SchnarchFrei Systems nach 12 Wochen
  • Verbesserung der Schlafqualität
  • Reduktion des AHI-Wertes
  • Verringerung von Sauerstoffentsättigungen
  • Verbesserung des Atemstörungsindexes
  • Verbesserung der CPAP-Adhärenz
  • Verbesserung der psychischen Gesundheit

Die Ergebnisse dieser Studie sollen eine signifikante Reduzierung der selbstbeurteilten Tagesschläfrigkeit nach 12 Wochen belegen und somit die Leistung des Produkts zeigen. Neben der Wirksamkeit wird auch die Sicherheit des Produktes evaluiert.

Die Verwendung des Produkts erfolgt im Rahmen dieser PMCF-Studie im adaptiven Design innerhalb der vom Hersteller zugewiesenen Zweckbestimmung (in Übereinstimmung mit der Kennzeichnung), ohne zusätzliche invasive oder belastende Verfahren zu den normalen Verwendungsbedingungen des Medizinprodukts.

Es wurde bereits jetzt für die Zwischenauswertung erwartet, dass die Interventionsgruppe gegenüber der Wartekontrollgruppe eine signifikant stärkere Verbesserung sowohl im primären Endpunkt (Veränderung im Summenwert des ESS von T0 zu T2) als auch in den sekundären Endpunkten (Veränderung der Schlafqualität, Veränderung in den Summenwerten des PAT-Atemstörungsindex (RDI), Veränderung der Sauerstoffsättigung, CPAP-Adhärenz, psychische Gesundheit) von T0 zu T1 und T2 aufweist. Das Signifikanzniveau wurde auf α = .05 festgelegt. Der sekundären Endpunkte wurden hierarchisch getestet, um für eine Inflation des Typ-I-Fehlers zu korrigieren. Ein Behandlungseffekt wird nur dann als konfirmatorisch signifikant betrachtet, wenn der p-Wert < 0,05 (zweiseitig) ist und alle in der Hierarchie übergeordneten Tests ebenfalls dieses Signifikanzniveau erreicht haben. Die festgelegte Testhierarchie lautet:

  1. Veränderung der Schlafqualität (PSQI),
  2. Veränderung der Depressionssymptomatik (PHQ-9),
  3. Veränderung der CPAP-Adhärenz.

Die respiratorischen Endpunkte (AHI, ODI, RDI) werden außerhalb der hierarchischen Testung deskriptiv-explorativ ausgewertet.

Überprüfung der Effektivität

Für die ITT‑Analyse wurden fehlende Werte gemäß dem Statistical Analysis Plan (SAP) und den Vorgaben der DIGA‑Studienregularien mittels multipler Imputation behandelt. Es wurden insgesamt m=50 Imputationsdatensätze erzeugt, wobei die Jump‑to‑Reference‑Methode (J2R)angewendet wurde. Dieses Vorgehen stellt sicher, dass die Analyse robust gegenüber Ausfällen bleibt und die Ergebnisse die intendierte konservative Schätzung des Behandlungseffekts widerspiegeln

Primärer Endpunkt

Der primäre Endpunkt der Studie ist die Veränderung der Tagesschläfrigkeit, gemessen mit der Epworth Sleepiness Scale (ESS). Die ESS ist ein etabliertes Instrument zur Erfassung subjektiver Tagesschläfrigkeit und eignet sich besonders zur Bewertung von Interventionseffekten im Verlauf. In den folgenden Analysen wird der zeitliche Verlauf der ESS‑Werte in der ITT‑Population dargestellt und statistisch ausgewertet, um mögliche Unterschiede zwischen Interventions‑ und Kontrollgruppe über die Studiendauer hinweg zu quantifizieren.

Verringerung der Tagesschläfrigkeit (ESS)

Zunächst werden die ESS‑Werte in der ITT‑Population deskriptiv zusammengefasst. In der Kontrollgruppe sinkt der Median‑ESS von 14 zu Baseline auf 11 nach sechs Wochen und stabilisiert sich bei 12 nach zwölf Wochen. In der Interventionsgruppe zeigt sich ein stärker ausgeprägter Rückgang – der Median reduziert sich von 13,5 zu Baseline auf 11 nach sechs Wochen und weiter auf 9 nach zwölf Wochen. Insgesamt deutet der Verlauf darauf hin, dass beide Gruppen eine Verbesserung der Tagesschläfrigkeit erfahren, die Reduktion jedoch in der Interventionsgruppe deutlicher ausfällt.

Sekundäre Endpunkte

Die Analyse der sekundären Wirksamkeitsendpunkte basiert auf der ITT‑Population. Als patientenberichtete Endpunkte wurden der Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) und der Patient Health Questionnaire‑9 (PHQ‑9) ausgewertet. Zusätzlich wurden respiratorische Parameter, die über das WatchPAT‑One‑System erhoben wurden, sowie die CPAP‑Adhärenz als objektive sekundäre Endpunkte berücksichtigt.

Verbesserung der Schlafqualität (PSQI-Score)

Der PSQI‑Gesamtscore wurde gemäß dem standardisierten Fragebogen als ganzzahliger Wert zwischen 0 und 21 berechnet (Buysse et al. 1989). Niedrigere Werte entsprechen einer besseren Schlafqualität. Die modellbasierten Schätzungen der PSQI‑Veränderung zeigen, dass die Interventionsgruppe sowohl nach sechs als auch nach zwölf Wochen eine deutlich stärkere Verbesserung der Schlafqualität erreicht. Zu Woche 12 beträgt die geschätzte Veränderung in der Kontrollgruppe −0,59 ± 0,42 Punkte (p = 0,1616), während die Interventionsgruppe eine signifikant größere Reduktion von −1,99 ± 0,48 Punkten aufweist (p < 0,0001). Der daraus resultierende Gruppenunterschied nach zwölf Wochen beträgt −1,40 Punkte und ist statistisch signifikant (p = 0,0293) (Abbildung 3B, C). Nach sechs Wochen zeigt die Interventionsgruppe zwar bereits eine signifikante Reduktion des PSQI‑Scores von −1,45 Punkten, doch fällt der Unterschied zur Kontrollgruppe geringer aus und erreicht keine statistische Signifikanz (−0,64 ± 0,64; p = 0,3196). Dies deutet darauf hin, dass sich der volle Interventionseffekt vor allem im Verlauf bis Woche 12 entfaltet.

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